Fünf Reiterinnen und eine Reservereiterin mit Handicap wurden im Juli nach den Deutschen Meisterschaften in Bochum für die Weltreiterspiele, die im September und Oktober in Kentucky, USA stattfinden werden, nominiert. Für diese Reiterinnen fand am Wochenende vom 6.- 8. August beim Reitclub Hofgut Petersau in der Nähe des rheinland-pfälzischen Frankenthal der letzte Lehrgang vor der großen Reise statt.

Auf der wunderschönen Reitanlage der Familie von Opel fand die Deutsche Mannschaft allerbeste Bedingungen vor. Bei strahlendem Sonnenschein konnte Bundestrainer Bernhard Fliegl die Form seiner Reiterinnen begutachten und ganz gezielt noch an der einen oder anderen Lektion feilen.

In direkter Nachbarschaft des Rheins fand das Training auch für die Pferde unter nicht alltäglichen Bedingungen statt. Wo kann man sonst schon vom Pferderücken aus auf unterschiedliche Schiffe schauen?

Das Team des Reitclubs stand für alle Fragen und Belange schnell und kompetent zur Verfügung. So hatten die Reiterinnen die Möglichkeit, sich voll auf das Training zu konzentrieren.

Britta Näpel zeigte mit der ihr erst im Juli diesen Jahres zur Verfügung gestellten Zweibrücker Stute Aquilina eine sehr gute Leistung und unterstrich damit, dass mit ihrer Nominierung sozusagen „auf´s richtige Pferd“ gesetzt wurde. Besonders hervorzuheben ist hier die Familie Weiss, Züchter und Besitzer von Aquilina, die ganz kurzfristig und uneigennützig ihre Stute Britta Näpel zur Verfügung gestellt hat. Dieses Engagement tut dem ganzen Dressursport für Reiter mit Handicap richtig gut!

Dr. Angelika Trabert, die zweite Reiterin in der Startklasse Grade 2, konnte mit ihrer Ariva Avanti an die ohnehin schon sehr guten Ergebnisse von der Deutschen Meisterschaft in Bochum anknüpfen und präsentierte ihre Stute in hervorragender Form. Nur Kleinigkeiten gilt es noch auszubügeln, dann kann es losgehen und die internationale Konkurrenz wird staunen.

Für Grade 3 waren Bettina Eistel mit Benetton´s Fabuleux und Hannelore Brenner mit Women of the world auf der Petersau. Beide Reiterinnen sind seit vielen Jahren im internationalen Sport erfolgreich und gehören sozusagen zur Bank des deutschen Teams. Bettina Eistel hatte von allen die längste Anreise und brachte ein wenig „Ostseeluft“ an den Rhein. Hannelore Brenner hatte dagegen aus dem rheinhessischen Wachenheim die kürzeste Anreise und konnte in ihrem Stammverein das Training quasi Zuhause erleben. Beide Reiterinnen zeigten, dass sie sich und ihre Pferde in ausgezeichneter Form halten und mit etwas Glück an ihre früheren Erfolge anknüpfen können.

Erstmalig in einer deutschen Mannschaft dabei sind die beiden jungen Grade 4 – Reiterinnen Juliane Theuring mit Empaque und Lena Weifen mit Don Turner.

Sie stellten ihre Pferde sicher und ausdrucksvoll vor. Empaque ist ein andalusischer Zuchthengst, der Juliane zur Verfügung gestellt wurde mit dem Ziel, die spanischen Pferde gerade in der Kombination mit einer behinderten Reiterin bekannter zu machen. Das ist der jungen Reiterin schon mit dem Sieg bei der Deutschen Meisterschaft 2010 gelungen und wird seine Fortsetzung sicher in Kentucky erfahren.

Lena Weifen ist das Küken der deutschen Mannschaft und als Reservereiterin nominiert. Sie ist erst dieses Jahr zu den Reitern mit Handicap gestoßen und war bis dahin ausschließlich im Regelsport unterwegs. Und das sehr erfolgreich. Am kommenden Wochenende wird sie bei den Deutschen Jugend Meisterschaften in Aachen an den Start gehen und Weser-Ems vertreten. Auf der Petersau präsentierte sie ihr Pferd und sich in einer sehr guten Form und vielleicht kann sie ja einige Tipps von Bernhard Fliegl mit nach Aachen nehmen.

Nur durch die unkomplizierte und schnelle Unterstützung der Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz und des Behindertensportverbands Rheinland-Pfalz war die Durchführung des Lehrgangs überhaupt möglich. Notwendig war er, um den großen zeitlichen Abstand zwischen der Deutschen Meisterschaft im Juli und dem Aufbruch nach Kentucky am 26. September zu verkürzen und zusätzlich, um das Wir-Gefühl des ganzen Teams aufzubauen.

Letzteres ist am Wochenende auf der Petersau mit Sicherheit gelungen.

Hanne Brenner, 11.August 2010